Sterbebegleiterin Johanna Klug: Wie begleitet man Menschen am Ende ihres Lebens?
Shownotes
Was braucht ein Mensch, wenn er weiß, dass er nicht mehr lange leben wird? Und wie kann man Angehörige in dieser schweren Zeit unterstützen, ohne die richtigen Worte finden zu müssen?
Johanna Klug begleitet Menschen am Ende ihres Lebens und spricht mit uns darüber, was zu dieser Tätigkeit tatsächlich dazugehört: Wie sieht ein Besuch bei einem sterbenden Menschen aus? Welche Rolle spielt sie für die Angehörigen – und wo liegen die Grenzen ihrer Arbeit? Wir sprechen über Begegnungen, die bleiben, über die Balance zwischen Mitgefühl und professioneller Distanz und über die Frage, wie viel von den Schicksalen ihrer Begleitungen Johanna mit nach Hause nimmt.
Als Podcasterin, Coachin und Autorin beschäftigt sich Johanna auch über ihre unmittelbare Begleitung hinaus mit den Themen Tod, Sterben und Trauer. Denn über das Sterben zu sprechen, kann auch bedeuten, bewusster über das Leben nachzudenken. Was wünschen sich Menschen am Ende ihres Lebens am häufigsten – und was können wir daraus für unser eigenes Leben lernen?
Mehr über Johanna Klug und ihre Arbeit findet ihr auf ihrer Website und ihrem Instagram-Account. Außerdem könnt Ihr Euch hier auf YouTube ihren Videopodcast "Klug & Tod" anschauen.
Transkript anzeigen
00:00:05: Es gibt nur wenige Themen, die uns im Leben irgendwann ausnahmslos alle betreffen werden.
00:00:10: Der Tod ist definitiv eines dieser Themen – als Angehörige und am Ende unseres eigenen Lebens.
00:00:17: Trotzdem ist denn unser Gesellschaft häufig ein Tabuthema.
00:00:21: Genauso wird auch wenig über die Tätigkeit von Sterbebegleiterinnen und Sterbebekleitern gesprochen, obwohl diese gesellschaftlich und insbesondere in den schwersten Stunden des Lebens so relevant sind!
00:00:32: Daher freuen wir uns sehr, dass heute Johanna Klub bei uns zu Gast ist.
00:00:36: Johanna ist ausgebildete Sterbe- und Trauerbegleiterin.
00:00:40: Mit sechzehn Jahren hat sie bereits für zwei Jahre im Pflegeheim gearbeitet.
00:00:44: Dana hat sie erst mal Medienmanagement und digitale Kommunikation studiert – war allerdings auch bereits parallel seitdem sie einundzwanzig ist ehrenamtlich als Sterbe und Trauereleiterin in Deutschland und Südafrika tätig!
00:00:57: Auf ihrer Webseite schreibt sie über sich selber und ihre Tätigkeit.
00:01:01: Am Anfang
00:01:02: war es Faszination.
00:01:04: Jetzt ist es eine tiefe Herzensangelegenheit, mit der ich die Themen sterben, Tod und Trauer in die Gesellschaft treiben möchte.
00:01:11: Aus diesem Grund hat sie auch bereits mehrere Bücher zu den Themen geschrieben, bietet Coachings und Begleitung an, ist als Bücherin tätig, bespielt einen eigenen Blog und hat auch ein eigenem Podcast mit dem Namen Klug und Tod.
00:01:24: Außerdem war sie von einem Jahrzehnte bis zu einem Jahrzwanzig Koordinatoren des Masterstudiengangs Peri-Mortale Wissenschaften der Universität Regensburg.
00:01:33: Wir freuen uns daher sehr, dass Sie heute hier bei uns ist und wir mit Ihr über Ihre Tätigkeit als Sterbebegleiterin sprechen können!
00:01:40: Liebe Johanna, herzlich willkommen beim Nine to Life!
00:01:44: Vielen Dank auch für diese opulente Vorstellung!
00:01:50: Ja, auch von mir herzlich willkommen.
00:01:51: Schön, dass du bei uns bist und wir starten in unserem Podcast immer mit den gleichen drei schnellen Fragen.
00:01:58: Deswegen verrat uns doch gerne mal zu Anfang was der schönste Teil als Sterwebegleiterin?
00:02:04: Ich glaube das Schönste ist daran, dass es immer ein Abenteuer ist und ich nie weiß wer mich erwartet und dass sich so mit einer neugierigen und offenen Haltung dann zu den Menschen gehe einfach auf mich zukommen lasse, was jetzt geschieht.
00:02:21: Ich glaube das ist das wirklich Schöne an der Arbeit die ich da mache.
00:02:26: Also die mich erfüllt auf jeden Fall.
00:02:28: Ich glaub ich hab bei jedem auch anders aber für mich ist das das Schönste, glaube ich.
00:02:34: und was fordert dich am meisten
00:02:35: heraus?
00:02:36: Ich glaube die Brücke dazwischen manchmal also wenn ich halt in der Begleitung bin mit Menschen existenziellen Ausnahmesituationen sind und dann gehe ich wieder zurück in die eigentliche Realität.
00:02:52: Und dann ist das Herausforderendste für mich festzustellen, wie oberflächlich oft und leistungs- und konsumorientiert unser Leben gestaltet ist.
00:03:04: also nicht bei allen aber ich glaube so diese krasse Diskrepanz dazwischen Das ist der Herausfordernd manchmal.
00:03:12: Was ist etwas, was möglicherweise die wenigsten Menschen über deinen Job wissen?
00:03:17: Dass ich auch sehr viel lache mit den Menschen.
00:03:21: Und ich lache auch sehr gerne.
00:03:23: und ich glaube das Humor und Tod ist immer noch etwas wo viele Menschen denken ja dass das passt doch nicht zusammen.
00:03:31: oder wie kann ich denn am Sterbebett lachen?
00:03:34: Es geht sich sehr gut aus, tatsächlich.
00:03:36: Oft ist das auch so der Icebreaker schlechthin.
00:03:38: Wir hatten vor schon viele Folgen her eine Trauerrednerin bei uns zu Gast und ich meine die hat auf die Frage genau das oder mehr wie er genau das auch geantwortet.
00:03:48: also es scheint sich ein bisschen durchzuziehen durch den Bereich.
00:03:52: Wir wollen jetzt nochmal ein bisschen genauer einen Alltag verstehen.
00:03:56: Ich glaube, ich habe es ja auch schon in der Vorstellung gesagt Es wird wenig über die Themen tot und erst recht nicht über den Beruf Sterbebegleiterin so in der Form gesprochen.
00:04:06: Also ich weiß nicht wann ich überhaupt schon mal irgendwie ein längeres Gespräch zu Sterbe Begleitung oder zur Tätigkeit hatte.
00:04:12: Deswegen Erklär doch zu Beginn einmal für alle zu hören und zu hören, welche Aufgaben gehören dazu?
00:04:19: Also vorweg erst mal voll.
00:04:20: gerne noch mal zum Einordnen.
00:04:22: Es ist kein Beruf den ich aktiv ausübe sondern es ist ein Ehrenamt.
00:04:26: Ich habe in dieser Zeit also seit ja seit ich so zwanzig-einundzwanzig bin viele Aus- und Weiterbildungen gemacht Und das ist nach wie vor auch mein Interesse weil ich finde das Thema Tod ist einfach so unendlich dass ich auf jeden Fall ganz viel andere Themen mit reinnehmen kann und dass es das irgendwie nur ergänzt.
00:04:47: Und ganzheitlicher Macht, aber ich verdiene damit kein Geld.
00:04:51: also ich schenke sozusagen meine Zeit und gehe ehrenamtlich ins Hospiz auf die Palliativstation und daraus hat sich dann irgendwie mein Beruf entwickelt.
00:04:59: Also du hast ja auch in der Einführung gesagt Ich war dann nach meinem Master bin ich an die Universität Regensburg gehabt als wissenschaftliche Mitarbeiterin, gearbeitet meine Doktorarbeit angefangen und halt diesen Studiengang aufgebaut, dort gelehrt und koordiniert.
00:05:13: Und natürlich dafür habe ich den Geld bekommen und gleichzeitig bin ich trotzdem weiterhin auf der Palliativstation ehrenamtlich tätig gewesen.
00:05:20: Als dann die ersten Verlagshäuser auf mich zukommen und gesagt haben, schreibt doch mal ein Buch und ich so war was?
00:05:26: Dann hat sich das mehr mit der Freiberuflichkeit für mich herauskristallisiert und genau jetzt habe ich auch den eigenen Videobodcasten nicht mache und damit verdient es dann auch mein Geld sozusagen aber nicht sozusagen den Geld gemessen wird, die bleibt
00:05:43: so.
00:05:43: Und in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit magst du uns da nochmal ein bisschen genauer reinnehmen.
00:05:49: wie muss man sich das vorstellen?
00:05:50: In welchen Phasen begleitest du da Menschen?
00:05:53: Es ist natürlich auch da wieder unterschiedlich.
00:05:54: ich habe damals angefangen auf der Palliativstation.
00:05:57: Das ist ja eine Station die ans Krankenhaus angegliedert ist und aber sehr viel wohnlicher und gemütlicher und vor allem sehr viel entschleunigter arbeitet als andere Station im Krankenhaus.
00:06:10: So oft gibt es dann Wohnzimmer in der Teeküche, da sind irgendwie so Phas und Möglichkeiten also auch ein Raum der Stille wo man sich eben zurückziehen kann.
00:06:21: ja das ist einfach auch eine andere Pflegeschlüsse.
00:06:24: Und damals als ich dahin gegangen bin hat mich sozusagen die Sozialarbeiter noch sehr an die Hand genommen und hat mir dann halt gesagt welche Patientinnen gerade da sind und dass ich gerne mal zu allen schauen kann oder zu der und der Person aber nicht.
00:06:38: Und dann bin ich halt da durchgegangen und wusste halt nicht, was erwartete mich oder wer erwartet mich jetzt eigentlich auch mit welcher Geschichte und in welchem Zustand?
00:06:47: Und genau, bin dann halt einmal durch die Palliativstationen.
00:06:50: Manchmal hatte ich auch Blumen dabei oder ich habe Obstsalat gemacht oder Eiskaffee oder so.
00:06:56: Genau!
00:06:59: unterschiedliche Situationen natürlich ergeben.
00:07:02: Wenn ich jetzt von einem ambulanten Hospizverein zu sagen, angerufen werde mit der Nachricht ja wir hätten da eine Begleitung für dich zum Beispiel in dem Krankenhaus oder im Pflegeheim oder in einem stationären Hospice auf einer Palliativstation dann gehe ich halt dahin und wäre aber nur zu dieser einen Person geschickt und mache die Begleitungen und sehe diese Person bis sie stirbt oder macht eine Nachtwache.
00:07:25: Also es kann ganz unterschiedliche Formen
00:07:28: haben.
00:07:28: Hast du Grenzen bei deiner Arbeit?
00:07:30: Inwiefern Grenzen?
00:07:32: Sowohl
00:07:33: Fälle, die du oder wenn dich über einen Anruf hast und du sagst gefragt wie kannst du das übernehmen wo du sagest ne das würde ich nicht übernehmen.
00:07:41: oder auch gewisse Bereiche wo du eine Person nicht unterstützen kannst Wo du sagste bis hier kann ich sie begleiten und nicht weiter.
00:07:50: Ich glaube
00:07:50: das hat dich noch... nie.
00:07:52: Viele sind ja bei Kindern zum Beispiel so, also ich war natürlich auch als ich an der Uni gearbeitet habe viel auch in diesem wissenschaftlichen Babel um Tod herum aktiver und ich weiß noch wie waren auf so einem Symposium oder irgendwie weiß ich nicht da kam halt viele zusammen und dann meinte der eine Professor der schon sehr sehr viel mit sterben und tot geforscht hat meinst du so ja Kinder wenn Kinder sterben das könnte er nicht.
00:08:18: Da ist er einfach raus, weil er hat selber ein Kind und das geht gar nicht.
00:08:21: Und ich denke mir aber halt auch ja was ist trotzdem wichtig?
00:08:24: Weil Kinder sterben auch und wenn wir da noch ein stärkeres Tabu draus machen was der Tod eh schon ist dann sehen wir die Kinder irgendwie nicht und ich finde es total wichtig.
00:08:34: also deswegen... Ich bin auch immer, wenn ich angerufen werde und sage, ja da ist ein Kind oder eine Familie in der Begleitung dann sage ich auch immer Ja Okay, lass uns halt erst mal kennenlernen.
00:08:44: Ich gehe da schon immer hin und dass beide Seiten sich kennenlern und ich auch in mich rein spüre was ist dafür ein Gefühl?
00:08:52: Was sagt mir mein Körper?
00:08:54: Was sagen wir so dieser Atmosphäre?
00:08:56: gerade fühle ich mich da wohl mit den Leuten?
00:08:57: Ist da sofort irgendwie ein vertrauensvoller Umgang?
00:09:00: Ich finde das dann alles zu Signale.
00:09:03: die kann nicht erst wirklich wahrnehmen wenn ich halt dann da auch in diesem Raum bin.
00:09:09: deswegen... mit mir so einzuchecken und zu fühlen.
00:09:13: Ja, für sich sitzt gerade bis hierhin noch Stimmig an oder nicht?
00:09:17: Und dann würde ich eine Grenze setzen.
00:09:19: aber die kann kleiner auch mehr größer sein.
00:09:21: Aber bisher hatte ich das glaube ich so noch nicht dass ich gesagt habe Das ist mir jetzt zu viel oder so und sonst sind ja auch immer die Koordinatorinnen von den Vereinen auch da Oder Sozialarbeiterinnen auf der Paläativstation oder die Ärzte oder Pflegekräfte Mit denen ich mich dann austauschen kann wenn ich grad manchmal weiter weiß.
00:09:39: also Ich bin ja alleine damit.
00:09:41: Und kannst du da nochmal einordnen in diesem Konstrukt von den vielen Menschen, die da beteiligt und vor Ort sind?
00:09:48: Was ist dann genau deine Rolle als Sterbebegleiterin?
00:09:51: Also ich bin ja keine Pflegekraft so in diesem Sinne.
00:09:55: Ich übernehme keine pflegenden Aufgaben.
00:09:59: Das klingt mega basic!
00:10:01: Ich bin einfach nur da.
00:10:02: Einfach nur da kann aber alles sein.
00:10:05: Und das ermöglicht auch alles.
00:10:09: worum es auch geht.
00:10:10: Und deswegen kann ich nie sagen, ich plane jetzt irgendwie diesen Besuch oder so sondern das ergibt sich halt einfach.
00:10:16: Manchmal sind das total tiefe Gespräche manchmal ist das eine Handmassage, manchmal ist es nur ein kurzes Reinspitzen um zu gucken, ob die Person irgendwie was braucht.
00:10:27: Und wenn sie sagt, ich hätte gerne ein Kaffee oder ein Stück Kuchen, dann hole ich das.
00:10:32: Manchmal ist es auch einfach nur einen dabei sitzen und mit der Person atmen.
00:10:38: Wir sind ja so verbunden auch, dass ... Wenn man mal mehr auf die Körpersprache achtet, merkt man schon, dass man sich so angleicht automatisch, also dass man sozusagen Menschen paste in der Atmung und auch körpersprachlich, also dass wir uns total oft spiegeln.
00:10:55: Und das passiert natürlich auch an den Sterbebetten wenn ich merke.
00:10:58: Der Atem von der Person ist ganz total unruhig und ich atme ruhig.
00:11:02: irgendwann entspannt sich auch bei der anderen Person was und die muss gar nicht so aktiv jetzt wach sein.
00:11:08: aber das ist mir tatsächlich auch schon oft aufgefallen.
00:11:11: und welche Dinge können das sein?
00:11:14: Würdest du sagen solche Dinge auch die Angehörigen selber mehr tun sollten, weil ich persönlich war Zulöckner nicht so oft in der Situation, dass sich eine sterbende oder angehörige begleitet habe beim Sterben.
00:11:28: Aber ich fand es total schwierig dann die richtigen Worte zu finden oder die richtige Handlung auszuführen.
00:11:33: Also vielleicht die Frage an dich was man als Angehörtiger in in so einer Situation gut machen kann oder sagen können?
00:11:43: Wir sind so zwei Dinge gerade aufgefallen in deiner Aussage, nämlich die Frage nach einem richtigen Handeln und richtigen Worten.
00:11:49: Und ich habe mich da gefragt was ist denn richtig?
00:11:52: Also was sind richtige Worte?
00:11:53: also wer sagt das?
00:11:54: Wer sagt was ist richtig, wer sagt was is falsch?
00:11:59: selbst in der Bewertung zu gehen von wegen.
00:12:02: Aber wenn ich das sage, ist es jetzt richtig oder könnte das falsch sein?
00:12:05: Ja aber also vielleicht versuche ich's einfach mal oder auch wenn ich keine Worte habe zu sagen, ich hab' keine Werte dafür so und einfach das auszusprechen was in mir drin ist eröffnet ja einen ganz anderen Raum mit Möglichkeiten weil die sterbende Person, das kann nicht die hundert Prozent sagen, die spürt das wenn du Angst hast und dich zurücknimmst, und schweigst.
00:12:25: Und sozusagen ganz viele Schokolade mitbringst oder irgendwas oder Geschenke.
00:12:29: Und so um dich sozusagen davon ein bisschen zu distanzieren und zurückzunehmen.
00:12:33: So die merken wir das, wenn sie nicht mit dir in einen verbalen Kontakt kommen können weil du selber so blockiert bist und das aber auszusprechen auch zu sagen ich weiß nicht ist das jetzt richtig?
00:12:45: Oder falsch!
00:12:46: Ich merke da selber so eine Unsicherheit dann löst das in dir viel, aber auch in der Verbindung mit der anderen Person.
00:12:53: Und genau sich davon freizumachen!
00:12:57: Das andere war, dass du gesagt hattest ja zum Glück hatte ich das noch nie und ich hab mich dann gefragt warum denn?
00:13:03: Also wieso zum Glück?
00:13:05: Weil für mich Tod Abschied bedeutet... ...und in dem Zuge Trauer.
00:13:13: Und ist das schlimm?
00:13:14: Für mich bisher waren es immer schlimme Zeiten.
00:13:18: Also hast du das schon auch erlebt, weil du gerade gesagt hast...
00:13:22: Ich hab's schon erlebt ja
00:13:23: aber
00:13:24: nicht so oft wie du.
00:13:26: Ja ich denke mir bei dem Thema auch dass es oft irgendwie reduziert wird auf dieses Jahr.
00:13:31: jetzt stirbt halt jemand und das bedeutet Abschied und Verlust und Trauer.
00:13:35: Aber am Ende des Tages müssen wir irgendwie den Blick auch weiten darauf Dass in unserem Leben die ganze Zeit passiert.
00:13:42: also ich bin gerade zum Beispiel in einer kompletten Umbruchssituation Das sich gerade vor ein paar Tagen mein altes Zuhause verlassen habe.
00:13:50: Mein neues WG-Zimmer hab ich aber erst in zwei Monaten und jetzt überbrücke ich gerade die Zeit, bin auch irgendwie in so einem Abschied und Neue beginnen.
00:14:01: Und das ist ja auch wieder ein Ding von... Ich verabschiede mich halt von dem Alten um das neue annehmen zu können was da jetzt kommt!
00:14:12: In dem letzten Gespräch für meinen Podcast hat meine Gäste gesagt wenn jemand gestorben ist, dann ist es nicht mehr so dieses alte Denken von du musst diese Person jetzt loslassen oder das Haustier oder dieser Erinnerung oder so.
00:14:25: Sondern so hat sie es halt für sich gesagt man baut halt um diesen verstorbenen Menschen das neue Leben drum herum immer mit dieser Person dabei und das hat ihr so geholfen weil die Person ist jetzt halt nicht mehr in ihrer Füße präsent aber trotzdem auch immer noch.
00:14:43: da empfinde das schon so, wenn wir uns an Menschen erinnern und erinneren hat ja auch was mit dem Inneren zu tun.
00:14:51: Dann sind die auch wieder da!
00:14:53: Und das merke ich total oft und das merken auch die Menschen nicht.
00:14:56: bisher auch mit meinem Podcast irgendwie zum Gespräch.
00:14:57: Da hatte Joshua Sohn jetzt eben mit dieser Person auch das, dass wir auch gesagt haben, so jetzt haben wir gerade über die verstorbene Schwester gesprochen und sie war irgendwie auch in diesem Raum mit in diesem Gespräch und es hatte auch etwas total... heilsames, also für mich aber auch für sie und ich denke auch für ihre verstaubende Schwester.
00:15:15: Und das war so schön!
00:15:17: Dass wir uns lösen von diesem gesellschaftlichen Druck dass Abschied und Trauer immer nur Schmerz bedeutet.
00:15:23: es bedeutet es auch aber es bedeutet auch Liebe und irgendwie eine Freude darum dass dieser Mensch dieses Tier dieser Moment überhaupt auch da war.
00:15:33: auch ne große Dankbarkeit auch für das Leben.
00:15:36: Und manchmal begegnet mir das schon auch, dass Menschen dann sagen so ja aber jetzt sitzt du da und erzählst da so leicht und locker über Tod und Sterben.
00:15:44: Dann lachst du dabei so viel.
00:15:45: Das ist ja voll einseitig oder so und dann sage ich doch so nee, ich saß mit den Menschen zusammen.
00:15:51: Wir haben mega geweint!
00:15:53: Ich habe auch echt heftige Trauerphasen.
00:15:56: durchlebt von Menschen, die mir in sehr kurzer Zeit sehr eng ans Herz gewachsen sind.
00:16:01: Und das ist natürlich auch für mich, wenn ich so eine externe Person bin und nicht aus dem System aber trotzdem auch etwas was mich berührt weil ich glaube nur so geht Begleitung im Sterbenbegleitungen im Leben dass wir uns Menschen zuwenden und unser Herz öffnen dafür was alles jetzt passieren kann.
00:16:18: Wenn wir das aber nicht zulasten können dann sind wir ja sehr eisig dass eine Begleitung von Menschen immer nur auch in diesem Kontext jetzt mit einer professionellen Nähe einhergehen kann und nicht mit einer Distanz.
00:16:32: Sind
00:16:32: das oft die Dinge, die du den Angehörigen mit auf dem Weg gibst?
00:16:36: Die du es gerade erwähnt hast?
00:16:38: Ja also oft geht das natürlich ineinander her.
00:16:40: Und wenn ich ne Familie begleite, begleit' ich nie nur das einzelne Erkranktekind oder das Geschwisterkind sondern immer die gesamte Familie.
00:16:47: Ich hab da gelernt... stark auf mein Gefühl zu hören, auf meinen Körpergefühl.
00:16:53: Auf die Intuition und natürlich würde ich das jetzt so nicht eins-zu-eins Menschen sagen, die in verschiedenen Prozessen gerade sind.
00:17:02: Natürlich auch für mich ein Lernprozess.
00:17:04: aber ich merke schon glaube wie viel ich dieser Person dann auch zumuten kann oder inwieweit ich mit der Person reden kann, wie weit die schon ist oder wo die halt gerade steht und dass sich sie da sozusagen abholen.
00:17:17: Manchmal braucht es ja auch gar keine Worte, sondern vielleicht einfach eine Umarmung oder irgendwie dass man die Person an der Hand kurz nimmt.
00:17:26: Oder tiefe in die Augen schaut und dann sieht man ja oft so ein tiefes Verständnis oder manchmal... Also gibt's auch für nichts dann Worte?
00:17:35: Sondern dann sprechen halt die Körper miteinander und ich glaube auf diese Körperintelligenz zu vertrauen ist auch was sich unglaublich Sterbe und Traubegleitung einfach auch gelernt habe oder wieder gelernt haben, weil als Kind haben wir das ja alle.
00:17:49: Wir sind da ja so verbunden und so pur.
00:17:52: Und wie verlernt es im Laufe unseres Lebens?
00:17:54: Zum Endehin werden wir dann sterben kommen wir ungefähr wieder dahin zurück.
00:17:58: Ja ich möchte gerne nochmal einen Schritt zurückgehen an der Stelle eben bei diesem Podcast Ja, vor allem auch oder unter anderem auch machen um genau so Einblicke in andere Lebensrealitäten und andere Tätigkeiten zu bekommen wie wir es ja gerade schon machen.
00:18:12: Und auch um Leuten aufzuzeigen die vielleicht dadurch Interesse an genau der Tätigkeit oder den Beruf bekommen.
00:18:19: Wie kann Weg dahin sein?
00:18:21: Wie sieht ein Weg dahinaus, wie kann man das selber ausüben?
00:18:25: Du hattest schon angedeutet, dass du immer wieder Ausbildung und Weiterbildung machst.
00:18:29: Magst du noch mal erklären, wie bist du da genau hingekommen?
00:18:33: Gibt es sowas wie eine Grundausbildung, eine Grundschulung am Anfang?
00:18:38: Ja
00:18:38: also bei mir war das immer ein bisschen anders drumherum.
00:18:40: Ich bin da so ein bisschen ja reingepurzelt aber ich habe immer erst Praktisch gearbeitet und danach habe ich die Ausbildung gemacht, was ein bisschen andersrum für das deutsche System ist.
00:18:50: Aber bei mir hat es so funktioniert.
00:18:52: also ich hab erst auf der Palliativstation nicht engagiert dann bin ich nach Hamburg gegangen von meinem Master und habe dann bei den Maltesern, das nennt sich Grund- und Befehlungskurs um Sterne zu begleiten.
00:19:02: Also bei mir damals, ich hab das halt immer nur Sterbekurs genannt und weiß mich einfach der Titel zu lang war.
00:19:07: Und manche Leute waren dann so wie Sterbekurse und es klingt so Makama und dann habe ich erst gemerkt so stimmt irgendwie so.
00:19:15: aber ich hab's halt trotzdem gesagt weil den Titel war mir einfach zu lang genau und das sind glaube ich um die zwei hundert Stunden.
00:19:21: also wenn ich jetzt mal denke so eine Joga-Ausbildung oder so, die hat jetzt glaube ich auch zwei hundert Stunden und dann bist du so Yoga-Lehrerinnen.
00:19:28: Also es ist schon wirklich einfach enorm viel Zeit was du da investierst genau und der geht halt irgendwie darum dass man lernt oder die Anfänge der Hospizbewegung mit sich selbst dann zu beschäftigen und zu reflektieren, auch in Gruppenübungen oder Einzelübungen.
00:19:44: Mit den Koordinatoren zusammen.
00:19:46: also es ist auf jeden Fall eine sehr intensive Zeit und manche haben danach auch gesagt mir ich kann mir das nicht vorstellen in die Begleitung zu gehen weil ich selber erstmal noch mit mir klar kommen muss Weil dass mich so tief bewegt hat und ich merke Ich bin da noch nicht soweit Und das ist natürlich auch wichtig wie ich sage immer wieder mit sich einzuchecken um zu merken So bin ich schon an dem Punkt dass ich sage ich könnte der Menschen Im Sterben begleiten.
00:20:09: Und ich hatte aber schon die Erfahrenung auf der Pali und hab dann gesagt, oh ja!
00:20:13: Ich würde jetzt voll gerne Kinder begleiteten und alles meinem Kurs waren so klar... So alle waren eigentlich so nahe, könnte ich mir nicht vorstellen?
00:20:22: Dann kam relativ schnell der Anruf dass es da eine Familie gibt.
00:20:24: das kleine Mädchen damals Sarah hat Kinder Demenz und ob ich mir das vorstellen könnte.
00:20:30: und dann habe Und dann habe ich die Familie eben kennengelernt und wir sind bis heute sehr, sehr eng verbunden.
00:20:36: Auch wenn ich sie jetzt nicht mehr aktiv begleite, kriege ich einfach sehr viel mit was bei Sarah und ihrer Familie so passiert.
00:20:43: Das ist total schön!
00:20:45: habe ich eben gesagt, okay das habe ich diese Sterbekurs gemacht und würde aber gerne noch eine Trauerbegleitung dran anschließen.
00:20:52: Und das war zu der Zeit als ich in Regensburg gearbeitet habe.
00:20:55: und dann gibt es da auch einfach verschiedene Träger.
00:20:59: ist zum Beispiel die Malteser Caritas Johannita.
00:21:01: Ich glaube sie bieten das auch an.
00:21:02: Dann örtliche Hospizvereine einfach je nachdem wie groß die sind hier in Berlin zum Beispiel da wo ich bin.
00:21:08: Die machen auch ein Befähigungskurs sozusagen.
00:21:11: Und dann gibt es aber auch einzelne Privatpersonen, die dann beim BVT, beim Bundesverband Deutscher Trauerbegleiter glaube ich heißt ja oder Deutsche Traurbegleitung sind und diese dann so qualifiziert.
00:21:22: Also ich habe auch diese Qualifikation das sie dann sozusagen selber ausbilden können genau und dann kann man sich da auch anmelden und da könnte man einfach auf der Seite vom bvt einfach mal suchen und dann gucken irgendwelche Personen ist in der Nähe.
00:21:35: Ich würde auf jeden Fall immer empfehlen erstmal die Leute kennen zu lernen, weil wenn diese Kurse halt so zweihundert Stunden gehen und du kommst mit der Koordinatorin oder... ...mit der leitenden Person nicht klar dann find ich es halt anstrengend.
00:21:47: Genau!
00:21:48: Das ist so der Weg, weil dich tatsächlich auch sehr oft gefragt werde ja ich würde das auch voll gerne machen erst heute früh auch schon wieder Und dann sage ich einfach hier Google doch einfach endlich aus Pizfa ein Oder Trauerbegleitung in der Nähe von Köln oder so.
00:22:00: Dann werden dir total viele Ergebnisse angezeigt.
00:22:03: aber da habe ich auch das Gefühl dass oft Menschen wie auch noch so eine Hemmschwelle haben und dann fragen sie mich lieber so.
00:22:10: Und ich glaube tatsächlich auch häufig ist die Tätigkeit auch einfach nicht so bekannt, also in deinem Kreis bestimmt weil... dich dann die Leute kennen und das bei dir erleben.
00:22:19: Aber ich glaube, ganz viele haben das gar nicht so auf dem Schirm, dass man das machen kann und dass das eine Tätigkeit ist, die man dann doch auch in Anführungsregeln so niedrigschwellig machen kann.
00:22:28: Also natürlich wie du auch meinst, es sollte mein Gewisse dafür mitbringen und macht dann diese Ausbildung oder die Weiterbildung aber dass das doch sowas theoretisch ganz viel parallel ehrenamtlich machen könnten.
00:22:40: Ja spannend das so zu hören Ja,
00:22:43: und?
00:22:44: Ich fände gerade noch was ein.
00:22:47: Und das fällt mir jetzt natürlich auch nochmal auf.
00:22:51: Vor über zehn Jahren ist mir das einfach sehr stark aufgefallen.
00:22:54: Das sind sehr wenige junge Menschen.
00:22:56: das machen und auch die Hospizvereine immer sagen, wir hätten so gerne junge Menschen.
00:22:59: Wir hätten auch gerne ein paar Männer.
00:23:01: Und dann werden Männer immer so beklatscht wo ich mir denke ey for what.
00:23:05: aber wo wir auch wieder bei diesem Thema Kehrarbeit sind und so und Frauen natürlich immer auch solche pflegenden Tendenzen haben oder oft einfach Ja, nicht in das ich es für allgemein an möchte.
00:23:17: Aber schon eher so diesen Ausdruck von mehr Emotionalität und aber auch sowas halten zu können.
00:23:23: Genau, aber ich merke dass schon seitdem ich oder jetzt gibt ja auch andere sehr junge Menschen auch in dieser Blase die da so nach außen gehen, dass sich da auch was verändert und auch viele, viele junge Menschen mir schreiben, ich würde es auch voll gerne machen.
00:23:36: Und wie du vorhin gesagt hast, dass gar nicht wissen, dass das geht.
00:23:42: Das finde ich so schön, dass es anscheinend kein sozusagen in Anführungszeichen Problem ist, dass die jungen Menschen das nicht machen wollen.
00:23:48: Sondern es ist auch einfach wieder ein Wissensproblem, sozusagen, dass das Menschen nicht darum wissen, dass sie so einen Ehrenamt ausüben können.
00:23:57: Total!
00:23:57: Was sagst du?
00:23:58: Wie viele Stunden sollte man so pro Woche oder pro Monat Zeit haben dafür?
00:24:03: Ich glaube der Hospitalein bei dem ich gerade bin, die sagen zwei Stunden in der Woche wäre schon... Und dann muss man halt auch erst mal hinkommen und wieder zurück, also so drei bis vier wenn man die Wege noch mit einberechnet.
00:24:15: Ich hatte das schon auch dass ich, wenn ich früher auf der Pali war, manchmal war ich da auch einfach sechs Stunden oder so.
00:24:20: aber das muss man ja nicht machen!
00:24:22: Ich habe es hier freiwillig gemacht weil ich das wollte.
00:24:24: Ich sage auch manchmal andere sind auf Partys gegangen, ich war halt auf der Palie und hab da meine Partygaben sozusagen... Ja, das ist halt eine freie Entscheidung.
00:24:35: Und entscheidest du dann selber wie oft du in der Person im Besuchen fährst?
00:24:41: Wie lange du bei ihr bleibst?
00:24:42: Gibt es da Vorgaben?
00:24:44: Ich glaube für ein Seiber ist es schon gut das abzustecken also auch als Ausrichtung für diesen Besuch.
00:24:52: Weil das war so ein Learning-Auch, als ich Sarah und ihre Familie begleitet habe.
00:24:57: Da war ich auch noch sehr jung, ich glaube, da war ich dann halt so gemerkt, dass Sarah sozusagen kein Ende findet, was hätte ich finden müssen?
00:25:05: Und dann, wenn ich gesagt habe so, jetzt gehe ich.
00:25:08: Ich hatte eigentlich was schon total drüber und eigentlich so überreizt weil... ...ich bin noch nebenbei studiert, dann hab' ich noch neben bei in der Gastro gearbeitet.
00:25:14: Das war schon auch allortig, weiß gar nicht mehr wie ich das früher gemacht habe aber irgendwie das ging gekriegt!
00:25:20: Dann kam halt natürlich noch die Geschwister und haben gesagt, kannst du mit uns auch spielen?
00:25:24: Und dann hat mir die Mama von ihr noch etwas erzählt.
00:25:27: und so als dann ist es halt wirklich schwierig.
00:25:28: Aber wenn ich sage hey, ich bleib von vierzehn bis sechszehn Uhr und sechszehnt Uhr muss ich gehen, dann ist das halt gesetzt.
00:25:33: Und ich glaube, das ist halt auch einfach ein Lernprozess vor allem.
00:25:36: Auch in den Zwanziger und Dreißigern so dieses ... Das ist der Zeitrahmen.
00:25:40: Dann aber halt auch zu sagen, ich gehe jetzt da
00:25:42: her?
00:25:43: Der hat es ja eingangs schon gesagt, dass du nicht mehr nur die Sterbebegleitung machst, sondern ganz viele Themen dabei in deinem Leben hast oder ganz viele Projekte, die sich alle mit dem Thema Todsterben trauen, mit dem Themenbereich beschäftigen... Dein Lebenstiel so ein bisschen oder dein Wunsch ist, dass sich da gesellschaftlich etwas verändert.
00:26:05: Wie müsste sich deiner Meinung nach der Umgang in der Gesellschaft mit diesem Themen verändern?
00:26:09: Oder was wünscht du dir da?
00:26:11: Ja ich glaube halt einfach auch das es natürlich auch schön wäre wenn darüber ganz offen gesprochen werden kann.
00:26:16: also wenn ich manchmal erzähle ja Es ist schon wichtig und kann total des verbindenden Element sein wenn man sich mal zusammensetzt bei einem Glas Rotwein bei Kaffee und Kuchen über die eigene Beerdigung redet, dann lachen viele Menschen oft als ob das total das Hirn gespinzt wäre.
00:26:31: Und ich sage dann ja aber warum nicht?
00:26:34: Also wann denn dann?
00:26:35: also ich finde schon dass das äußere Setting total wichtig ist.
00:26:40: Also nicht nur wenn man zum Beispiel eine Diagnose mitteilt in einem Krankenhaus, dass es ruhig ist, dass da niemand reinkommt na so Ich find das Außen ist schon wichtig.
00:26:48: und auch dann einfach zu sagen okay jetzt reden wir mal über Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Beerdigung.
00:26:56: Es ist jetzt noch nicht so weit aber wir haben es mal drüber gesprochen und dann machen wir uns jetzt einfach gemütlich weil es ist ja auch wichtig darüber zu reden.
00:27:04: und was ich halt immer wieder bemerke das begegnet mir natürlich halt viel viel öfter weil mittlerweile mich Menschen kennen und dann sagen sie ja mit ihr könnt ich mich stunden unterhalten und ja voll gerne aber ich bin ja.
00:27:17: also ich kann auch über andere Themen reden nicht nur über den Tod.
00:27:20: Und aber dass dann die Menschen mich sozusagen einfach sehen als Expertin oder ja, die ist halt da reflektiert unterwegs und der kann ich mich sozusagen anvertrauen.
00:27:31: Und dann das danach kommt zu was wie?
00:27:32: Ja, ich hatte so Angst Aber du hast halt so diesen Raum gehalten und jetzt fühle Ich mich ganz leicht und ich merke halt, dass diese Gespräche eine Beziehung immer auf eine tieferere Ebene bringen und es immer mehr Verbindung dadurch entstehen lässt.
00:27:47: Das ist ja das Schöne, das brauchen wir auch als Gesellschaft.
00:27:49: Deswegen würde ich sagen, mehr über das Ende reden um mehr Tiefe in Beziehungen zu bekommen.
00:27:59: Und das bedeutet aber nicht dass ich sage, das muss jetzt die ganze Zeit sein sondern immer halt so Portionsweise genau.
00:28:07: Es kann halt auch sein wenn ich keine Ahnung irgendwo ein totes Tier finde oder so... Und dann darüber ins Gespräch gehe, auch wenn ich mit Kindern unterwegs bin oder so.
00:28:16: Das ist sowieso total faszinierend mit denen.
00:28:19: Oder ich gehe auch super gerne auf Riedhöfe und da ist so eine Ruhe.
00:28:23: Und das vielleicht auch einfach öfter zu machen.
00:28:25: Es gibt ja ganz viele verschiedene Möglichkeiten die Endlichkeit mehr in sein Leben zu lassen.
00:28:31: Ist jetzt die Geschichte von Sarah ein paar Mal erwähnt?
00:28:36: Hast du das bei mehreren Familien dass du die denn noch länger begleitest?
00:28:40: beziehungsweise Begleiten dich die persönlichen Schicksale und Geschichten auch noch länger?
00:28:47: oder bewahrst du da auch immer eine Art emotionale Distanz?
00:28:51: Ja, also es kommt halt drauf an.
00:28:53: Also ich bin in meinem Leben einfach schon sehr viel umgezogen Und natürlich verändert sich das dann dass ich doch nicht mehr so intensiv in der Begleitung sein kann wenn ich halt wieder den Ort gewechselt habe.
00:29:03: Ich bin jetzt auch mal gespannt wie lange ich jetzt im Berlin bleiben werde.
00:29:05: man gucken So also das erste Mal dazu.
00:29:09: Es sind mir diese Menschen schon präsent.
00:29:12: Also ich hab das ja am Anfang auch gesagt, dass eine Begleitung nur so für mich ... Das ist halt meine Haltung stattfinden kann, wenn ich nicht dafür öffne für die Menschen und deren Geschichten.
00:29:22: Und deswegen begegeln mir die Menschen immer wieder.
00:29:26: Ich habe sie jetzt nicht wie in einem schweren Rucksack, dass ich die mit mir rumtrage, aber ich bin einfach immer mal da und ploppen bei mir auf.
00:29:35: Dann ist es schön, mit manchen bin ich irgendwie... Also, natürlich noch so mit den Leben dann in Kontakt.
00:29:40: Und dann melde ich mich mal oder man telefoniert mal und checkt halt mal ein.
00:29:46: Das passiert schon immer wieder.
00:29:48: Aber ... Ich würde jetzt nicht sagen, dass meine Ausrichtung eine Distanzierung irgendwie ist.
00:29:56: Sonst würde ich das auch kommunizieren mittlerweile wenn ich merke, es war mir zu viel oder so.
00:30:00: Dass man da ins Gespräch geht, denkt, das ist voll okay.
00:30:04: Was
00:30:04: ist ja von... Marlena gefragt, wieso sie gesagt hat.
00:30:09: Zum Glück hat sie das noch nicht so oft erlebt und ich glaube dass viele Menschen diese Formulierung von Marlina nutzen würden oder dass es viele Menschen gibt die Angst vor dem Tod haben sowohl vor dem einen oder vielleicht sogar teilweise doch mehr vor dem von nahestehenden Personen.
00:30:27: Und ich kann das auch ein Stück weit oder sehr viel nachvollziehen weil's eben sowas endgültiges ist und dass so ein Einschnitt ins Leben ist.
00:30:36: Und ich habe das Gefühl, es gibt nicht viele Dinge im Leben die so unwiderrufbar sind.
00:30:42: Also viele Dinge können wir ändern und Entscheidungen rückgängig machen aber das ist halt so ein Aspekt im Leben wenn eine geliebte Person gestorben ist.
00:30:52: Denen kannst du nicht rückganglich machen egal was du tust.
00:30:55: Kann ich diese Angst da schon auch nachvollziehen?
00:30:57: Wie ist dein eigener Blick auf den Tod?
00:31:00: Oder du meinst, ob ich Angst habe oder nicht?
00:31:02: Ja wie du.
00:31:03: Also weil du jetzt ja das bei Marlena auch hinterfragt hast quasi wieso sie gesagt hat zum Glück und wenn dich jetzt jemand fragen würde wie ist dein Blick darauf?
00:31:13: also wie würdest du die Formulierung verwenden?
00:31:15: quasi?
00:31:16: Ich hab mich bei Marlinas Formulierungen halt auch gefragt ist es wirklich aus Marlina heraus oder ist es eine gesellschaftliche Prägung?
00:31:23: Also sagt sie das halt eher und viele andere vielleicht auch, weil das gesellschaftlich so auferlegt wurde.
00:31:30: Oder ist es aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz sozusagen heraus entstanden dieses Vorherdenken?
00:31:35: Ja, das finde ich halt interessant bei Sprache da so fein ist.
00:31:38: Und ich habe so eine Kommunikationstraining gemacht und dann haben wir sehr viel Zeit damit verwendet irgendwie die Sprache so auseinanderzunehmen und die deutsche Sprache ist auch so schön dafür.
00:31:48: Und irgendwie seitdem fällt mir viel mehr da auch noch mal auf.
00:31:53: In der Blick auf den Tod natürlich, es gibt so einen schönen Satz.
00:31:56: Das Schwierige ist nicht das Gehen, sondern das Bleiben.
00:32:00: und ich würde schon sagen, dass ich keine Angst vor meinem eigenen Tod habe und eher davor wenn zum Beispiel die Menschen gehen, die ich sehr lieb habe und ich aber auch gemerkt hab, ich kann mich nicht darauf vorbereiten.
00:32:13: zu richtig also dieses jetzt habe ich schon so viele Menschen begleitet und jedes mal was anders Und da gibt's halt kein Checklist oder keinen Rezept irgendwie dafür, also so machst du es mal und dann fährst du damit gut.
00:32:26: Ich glaube das ist das was halt so beängstigend wirken kann weil ja du hast keine Kontrolle darüber und ehrlicherweise haben wir auch im Leben ganz oft keine Kontrollen darüber.
00:32:40: Ja das ist glaub ich so das eine und gleichzeitig glaube ich auch für mich dass sich keine Angst vor dem Tod haben muss ich schon irgendwie das Gefühl, wenn es halt dann dran ist.
00:32:51: Dann ist es jetzt dran und ich bin froh, dass ich nicht weiß, weil ja manchmal wird drüber geredet wird.
00:32:56: Ja, würdest du gerne wissen, wann du stirbst oder so?
00:32:59: Nee, ich lass mich da einfach überraschen und ich lasse mich auch darüber... also ich lasst mich auch davon überraschnen was dann danach kommt und vielleicht ist es doch einfach nur dieser Ebenenwechsel rein in ein ganz neues Abenteuer.
00:33:13: Und wer sagt denn, dass das Leben, dass wir gerade hier leben wirklich Leben ist, vielleicht kommt es erst danach.
00:33:19: Oder was kommt auch dann danach?
00:33:21: Aber also ich kann ja mit einer Haltung daran gehen und sagen, boah, ich bin voll neugierig!
00:33:25: Und lass mich einfach mal überraschen oder... Mir fällt gerade ein Zitat von Jalom auch ein.
00:33:30: aber wie ging das nochmal?
00:33:32: Je mehr ungelebtes Leben in uns desto größer ist die Angst vor dem Tod.
00:33:38: irgendwie so, aber so aussieht sich auf dieses ungelegte Leben.
00:33:42: Ich glaube auch so'n bisschen darum könnte es auch gehen.
00:33:45: Weil ich gemerkt habe, seit ich in der Stelbe begleitet bin, bekommt Zeit für mich was anderes und ich priorisiere anders.
00:33:52: also dass wenn mir irgendwas begegnet dann finde ich so okay fühlt sich das Stimmig an und gehe ich demnach oder halt nicht.
00:33:58: Und dass ich sozusagen nichts aufschiebe und zurückstelle oder so.
00:34:03: ja ich glaube das ist ein Punkt auf dieser Skala weil das Leben mit dem Tod verbunden ist.
00:34:09: deswegen gehört der Tod halt dann auch einfach mit ins Leben dazu.
00:34:14: Eigentlich ist es total banal.
00:34:16: Ja, das ist ja auch genau das was wer eingangs meint und es gehört ja wirklich in jeglicher Form zu jedem Leben dazu.
00:34:22: also wenig Themen verbinden uns alle so sehr wie das Thema Tod.
00:34:27: und trotzdem vielleicht war das mit so einer Trauerverknüpftes oder so halt häufig so ein Tabuthema oder so ein Thema.
00:34:35: Ich will es nicht Tabuthemen nennen, aber ein Thema über das Ungerne gesprochen wird und ja ist schon spannend.
00:34:40: Aber ich kann mit dem Zitat total resonieren, wenn da so viel ungelebtes ist und man so dachte, oh, da wäre noch so...ich finde auch als Angehörige, wenn man das geführte, die waren doch noch so jung oder auch ich habe mir viel zu wenig Zeit in den letzten Wochen genommen oder wie auch immer ist das ein ganz anderes Gefühl als wenn das jemand war der ein total erfülltes Leben hatte und man da auch irgendwie lange Teil davon war, ist das irgendwie vom Gefühl her total was anderes.
00:35:08: Hast du durch diesen Kontakt mit dem Tod, mit der Endlichkeits-Lebensjahr letztendlich auf, hast du dadurch irgendwas für dein eigenes Leben gelernt?
00:35:18: Wie hat sich dein Blick auf dein eigener Leben verändert?
00:35:22: Ich glaube
00:35:22: ich habe nichts mehr aufschieben, dass ich sehr viel enger mit mir verbunden bin.
00:35:28: Also ich habe einfach das Gefühl, mein Körpergefühl ist einfach so viel stärker geworden dadurch und die Ausrichtung auch.
00:35:35: So dass es mir voll wichtig ist, so die Menschen irgendwie zu sehen.
00:35:37: also ich glaube schon, dass sich sehr genau gucke, dass ich aber auch immer wieder merke, dass mir Dinge auffallen.
00:35:44: Also so an sich, aber auch vor allem wenn ich Menschen begegne, dass mich Dinge affallen, die anderen nicht auffahlen.
00:35:52: Und das merke ich halt dann, wenn ich sage hey, guck mal das und das Wären wir jetzt gar nicht aufgefallen, oder wieso hast du das gesehen?
00:35:59: Das hat noch keiner gesagt.
00:36:02: Kein anderes, so ein ganz banales Beispiel.
00:36:05: Ich war bei meinem Osteopathen irgendwie am späten Nachmittag und meinte ich, wow, sieht man hier bei Friseur?
00:36:10: Sieht voll gut aus!
00:36:12: Und er hat ja alle zwanzig Minuten andere Patienten.
00:36:15: und dann meinte er, es hat noch keine gesagt.
00:36:18: Also das ist super banal wirklich, ganz banal aber auch noch so andere Dinge.
00:36:23: einfach wo ich merke, mein Blick hat sich so geschärft auf ganz viele andere Dinge und ja, es ist irgendwie so weiter geworden.
00:36:31: Das finde ich schön.
00:36:32: also eigentlich... Ich find' ne Bereicherung klingt irgendwie... weiß nicht irgendwie mag ich das Wort nicht so aber macht mich reich glaube ich an Erfahrungen und eine Ausrichtung in meinem Leben Und gleichzeitig kann ich so viel zurückgeben.
00:36:50: Also ich hab das Gefühl einfach viel mehr mit den Menschen zu takten Also das geben und nehmen so zu einem wird.
00:37:02: Sehr, sehr bewegende Worte finde ich.
00:37:05: Ich habe das Gefühl dass für mich persönlich das Gespräch schon total was gebracht hat, dass sich anders auf den Tod blicken, dass ich vielleicht einfach mich selber mehr hinterfragen sollte weil also wie du meintest vielleicht kommt es echt vor allem durch die Gesellschaft Auf das Ende meines Lebensblicke oder auch auf das von meinen Angehörigen.
00:37:23: Also vielen, vielen Dank dass du uns da alle glaube ich ein Stück weiter gebracht hast.
00:37:27: Wir kommen jetzt lange zum Ende und haben noch drei schnelle Fragen zum Schluss für dich die wir auch jedem Gast und jeder Gäste entstellen.
00:37:35: Wenn man jetzt mehr von dir und dein Berufsalltag erfahren möchte wo kann man dich denn finden?
00:37:41: Wo kann man dir folgen?
00:37:43: Dir schreiben?
00:37:43: wo
00:37:43: kann er wirklich erfahren?
00:37:45: Ja sicher eine Webseite, genau dann auf Instagram natürlich.
00:37:50: Und wenn man meinen Namen eingibt findet man mich glaube ich auch da recht unkompliziert.
00:37:54: und sonst genau der Videopodcast klug und tot.
00:37:57: Der wird auf allen Audio-Plattformen gestreamt und auf YouTube kann man den auch dann ansehen ist auch irgendwie finde ich echt ein schönes Studio und Julian Merle sind immer sehr bemüht darum sehr schöne ausgefallene Blumstreuse in die Mitte zu packen.
00:38:13: Genau, mein Papa ist immer derjenige, der sagt heute waren die Blumen aber besonders schön.
00:38:20: Also genau ich finde das ist auch irgendwie nett wenn man in so einem Gespräch eine Videoebene hat und dann vielleicht noch mal auf einer anderen Ebene wirken kann, wenn man die Menschen vor sich hat.
00:38:31: Und ich finde auch dass es auch so eine eins zu eins Begleitung oder Begegnung sich damit im Ende auseinanderzusetzen wenn man natürlich von anderen Menschen hört die ihre Geschichte so auch erzählen oder ihre Haltung dazu.
00:38:47: Genau, ich glaube das war es eigentlich!
00:38:49: Sehr schön, werden wir alles verlinken übrigens schon uns.
00:38:53: Gibt es einen Aspekt deiner ehrenamtlichen Tätigkeit den wir jetzt noch nicht beleuchtet haben?
00:38:57: Irgendein Punkt, der dir noch wichtig ist den Zuhörern mitzugeben?
00:39:01: Nö, so vom Gefühl Herr Reitz irgendwie... Alles dabei und für mich ist es sehr rund.
00:39:08: Sehr gut Also wir haben uns auch vorgenommen, Johanna und ich, dass wir unseren Podcast gerne so positiv wie möglich immer abschließen möchten.
00:39:14: Ich fand aber auch das ist ein sehr positives Gespräch war was ich heute nicht so gedacht hätte
00:39:19: weil
00:39:19: einfach gerade die Nachrichtenlage und weltpolitische Lage auch einfach viel, viel Krise und viel ja so ein nomiges Gefühl im Bauch irgendwie mit sich bringt.
00:39:31: also verraten Sie doch ganz zum Schluss mal was dir im Alltag Hoffnung bringt was irgendwie positiv Bestimmung an den Tag legt.
00:39:39: Für mich ist es voll wichtig, abends ins Bett zu gehen und so nochmal Danke zu sagen an all die guten Dinge, die heute auch passiert sind.
00:39:48: Weil ich gemerkt habe mit dem Gedanken, mit denen ich einschlafe, wache ich auch am nächsten Tag auf.
00:39:52: Und deswegen ist es schon voll wichtig sich abends darauf auszurichten wie mein nächster Tag werden soll oder mit welchen Gedanken ich, mit welchem Gefühl ich aufwache selbst total viel machen, aktiv werden und die Hand sozusagen nehmen wenn wir uns um uns selbst auch kümmern.
00:40:11: Weil auch wenn wir weltpolitisch da nicht so viel verändern können gerade können wir trotzdem uns darauf besinnen dass es uns gut gehen darf.
Neuer Kommentar